7. KinoFest | Die Preisträger
Mit großem Erfolg ging das 7. KinoFest – Festival des deutschsprachigen Films auf dem zauberhaften Gelände von Achaia Clauss in Patras zu Ende. Fünf Tage lang verwandelte sich der Ort vor beeindruckender Kulisse in ein bis auf den letzten Platz gefülltes Open-Air-Kino. Trotz der Schwierigkeiten infolge des jüngsten Brandes in der historischen Weinkellerei hatten mehr als 2.300 Zuschauerinnen und Zuschauer die Gelegenheit, bei ausgewähltem Wein und Speisen kostenlose Vorführungen deutschsprachiger Kurz- und Langfilme zu genießen.
Am diesjährigen Wettbewerb nahmen neun Filme aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Luxemburg teil, die allesamt ihre griechische Premiere feierten. Der Jury gehörten die Filmschaffenden Mary Kolonia, Sonia Liza Kenterman und Alexis Tsafas an.
*Der Preis der Jury für den besten Film ging einstimmig an den bewegenden, auf einer wahren Geschichte basierenden österreichischen Film Four Minus Three | Vier Minus Drei von Adrian Goiginger. Im Mittelpunkt steht eine Clownin, die eine unfassbare Tragödie erlebt. Ohne Melodramatik inszeniert und getragen von einer herausragenden weiblichen schauspielerischen Leistung, richtet der Film seinen Blick mit bemerkenswerter Authentizität auf die verschiedenen Phasen der Trauer und zieht das Publikum in seinen Bann. Der Film wird im Verleih von ABCinema in die Kinos kommen.
*Die Jury verlieh außerdem eine lobende Erwähnung an den deutschen Film Oh, This Unspeakable Void von Simon Verhoeven, der den Alltag eines 20-Jährigen begleitet, nachdem dieser unerwartet an der renommierten Schauspielschule in München aufgenommen wird und in das Haus seiner unkonventionellen Großeltern zieht. Ein wunderschöner Coming-of-Age-Film über den Umgang mit Trauer, schwierige Abschiede und die Suche nach dem eigenen, tieferen Selbst.
*Der Publikumspreis ging an den Schweizer Film Hello Betty | Hallo Betty von Pierre Monnard, der zur Eröffnung des Festivals in Zusammenarbeit mit Swiss Films gezeigt wurde. Der in den 1950er-Jahren spielende Film erzählt von einer jungen verheirateten Frau, die in einem von Männern dominierten Umfeld arbeitet und zu einer kulinarischen Ikone der Schweiz wird, zugleich jedoch unter den patriarchalen Strukturen ihrer Zeit leidet.
Das Festival wurde am vergangenen Mittwoch in Anwesenheit von Botschaftern und Vertreterinnen und Vertretern der deutschsprachigen Länder eröffnet und ging mit dem Film Karla von Christina Tournatzes zu Ende. Der Film thematisiert den sexuellen Missbrauch eines Mädchens durch seinen Vater in den 1950er-Jahren sowie den für die damalige Zeit beispiellosen Gerichtsprozess, der darauf folgte.
Den Abschluss des Abends bildete der beliebte Film Good Bye, Lenin! in einer Sondervorführung zum Gedenken an Wolfgang Becker. Anlässlich der Teilnahme seines letzten Films am diesjährigen Wettbewerbsprogramm entschied sich das Festival, sich vom Publikum mit einer Hommage an den kürzlich verstorbenen Regisseur zu verabschieden – mit jenem ikonischen Film, der seinen Namen einem internationalen Publikum bekannt machte.
Eine besondere Stellung nahm bei der diesjährigen Ausgabe die Schweiz mit der Filmreihe Hello Switzerland ein, die in Zusammenarbeit mit Swiss Films und der Schweizerischen Botschaft in Griechenland realisiert wurde.
Unter den vielfältigen Aktivitäten des 7. KinoFest – darunter Kindervorführungen, Workshops, Masterclasses und Industry-Aktivitäten – sind insbesondere zwei außergewöhnliche Dokumentarfilme hervorzuheben, die zwei brisante Themen unserer Zeit aufgreifen: Femizide und das Recht gleichgeschlechtlicher Paare auf Elternschaft. Beide Themen wurden im Anschluss an die jeweiligen Vorführungen diskutiert:
*In dem auf der Berlinale ausgezeichneten Dokumentarfilm Sometimes, I Imagine Them All at a Party von Daniela Magnani Hüller, der in Anwesenheit der Regisseurin gezeigt wurde, kehrt die Filmemacherin vierzehn Jahre später zu dem versuchten Femizid zurück, den sie als 17-Jährige überlebte und dessen Täter ein Mitschüler war. Durch Begegnungen und Erinnerungen sucht sie nach Antworten auf das, was damals geschah.
*In Love Alone Can’t Make a Child / Der Wunsch von Judith Beuth, der in Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung gezeigt wurde, begleiteten wir den zehnjährigen Kampf eines Frauenpaares – eine der beiden Frauen lebt mit einer Behinderung – um ihren Wunsch nach einem Kind zu verwirklichen.
Das KinoFest präsentiert noch bis zum 31. Oktober in der Achaia Clauss die Ausstellung Between the Frames. Memory in Negotiation, konzipiert und kuratiert von Liana Zoza / Cube Gallery, mit Unterstützung der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Griechenland und finanziert durch den Deutsch-Griechischen Zukunftsfonds. Die Ausstellung begreift Erinnerung nicht als etwas Statisches, sondern als ein Feld kontinuierlicher Neuverhandlung und bringt dabei bildende Kunst, persönliche und kollektive Erinnerung sowie die kulturellen Beziehungen zwischen Griechenland und Deutschland miteinander in Dialog.
Das Festival, dessen Sponsor für barrierefreie Filme NOVA ist, verfolgt nun ein klares langfristiges Ziel: Das KinoFest soll sich in Zusammenarbeit mit spezialisierten Fachleuten und Organisationen wie TheHappyAct und TOBEA schrittweise zu einem vollständig barrierefreien Filmfestival entwickeln und dabei so weit wie möglich jene Barrieren abbauen, die Menschen von einer gleichberechtigten Teilhabe an Kultur ausschließen.
Goldsponsor des KinoFest 2026 war Lidl Hellas.
*Im Winter, Ende Januar, wird das KinoFest nach Athen reisen.
Das KinoFest wurde 2019 von ABCinema in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Zentrum Patras gegründet, mit dem Ziel, dem griechischen Publikum das zeitgenössische deutschsprachige Filmschaffen näherzubringen und einen dauerhaften Raum für den kulturellen Austausch zwischen Griechenland und den deutschsprachigen Ländern zu schaffen.
Wie jedes Jahr fanden sämtliche Filmvorführungen und die meisten Veranstaltungen des Festivals bei freiem Eintritt statt, wodurch der offene und öffentliche Charakter der Veranstaltung gewahrt wurde.
Weitere Informationen: kinofest.gr


